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Martina auf Bashirah

Martina auf Bashirah

Es gibt Begegnungen im Leben, die prägen. Und dann gibt es Begegnungen, die verwandeln.
Meine Begegnung mit Bashirah gehört zur zweiten Kategorie.

Bashirah Liebe auf den ersten Blick?

In meinem Anerkennungsjahr in der Ausbildung zur Physiotherapeutin (1996/97) lernte ich eine Krankengymnastin kennen, die Hippotherapie anbot. Ich machte bei ihr Praktikum und der Gedanke, ein eigenes Pferd für therapeutische Zwecke zu nutzen, ließ mich nicht mehr los. Eine Freundin hatte asil gezogene Araber, mit denen sie Mutter-Kind-Reiten für suchtkranke Frauen und ihre Kinder anbot. So etwas in der Art schwebte mir ebenfalls vor.

Die Krankengymnastin empfahl mir, eher Angloaraber oder Shagya-Araber zu kaufen, da diese vom Rücken her belastbarer und besser reitbar seien. Sie hatte auch direkt eine Adresse: Familie Martin in Stromberg, nicht weit von meinem damaligen Heimatort.

Ich nahm Kontakt auf, ließ mir die zum Verkauf stehenden Pferde zeigen und ritt einige probe. Die Vollschwester von Bashirah war dabei, mit ihr fand ich schnell eine leichte Verbindung. Leider war der Preis nicht meinem Budget entsprechend. Also fragte ich, ob es ein Ähnliches Pferd gäbe, das günstiger sei.

Dieses Pferd war Bashirah.

Sie stand damals zweijährig auf der Weide, hatte eine Narbe am linken Vorderbein ( da sie als Fohlen im Weidezaun hängen geblieben war) und sah aus wie ein Esel. Grau, riesige Ohren, noch im Wachsen begriffen, entsprechend unperfekt. Ein Schimmel.

Und trotzdem verliebte ich mich direkt in dieses feine Wesen. So zutraulich. So mutig, mit mir Kontakt aufzunehmen obwohl wir uns noch gar nicht kannten.

1998 kaufte ich Bashirah, 2,5-Jährig.

Gemeinsam wachsen

Da Bashirah mein erstes eigenes Pferd war, wollte ich möglichst alles richtig machen. Hildegard Martin stand mir dabei hilfreich zur Seite. Wir gewöhnten Bashirah ans Longieren, daran, etwas auf den Rücken geschnallt zu bekommen – und dann wurde ich schwanger.

Die Schwangerschaft war nicht unkompliziert, und so wurde mir geraten, nicht zu reiten. Also hatte Bashirah wieder frei und kam für die nächsten Monate zurück auf die Weide. So wie es mir möglich war, hielt ich locker Kontakt  und sie war immer bereit, mit mir in Beziehung zu treten, wenn ich zur Weide kam.

Das hat mich sehr beeindruckt. Und meine Liebe zu ihr gestärkt.

Was wir nicht wurden – und warum es gut war

Meine Ambitionen, an Dressurturnieren teilzunehmen, legte ich ad acta, nachdem meine Lehrerin meinte, wir seien zwar ein gutes und harmonisches Team, aber Bashirahs Gänge seien nicht das, was die Richter auf Turnieren sehen wollen. Ich solle mir doch ein anderes Pferd kaufen, um erfolgreicher reiten zu können.

Das lehnte ich ab!

Wir trainierten fortan für uns. Zur Gymnastizierung von Bashirah und zur Weiterbildung von mir. Mit den Springversuchen ging es uns ähnlich: Bashirah war der Meinung, sie müsse die Hindernisse erst in Ruhe von Nahem betrachten, bevor sie darüber springen könne – was uns entsprechend zum Ausscheiden brachte.

Also durfte Bashirah ihr Dasein als Freizeitpferd genießen. Was mir auch recht war. Es sparte viel Zeit und Geld.

Die Versuche, Bashirah in der Hippotherapie einzusetzen, erforderten viel Korrekturarbeit: Sie passte sich immer wieder an die Schiefe der Reiter an und begann nach Therapieeinheiten unrund zu laufen. Ich machte ihr diese Arbeit so leicht wie möglich und behandelte größere oder schwerere Menschen auf anderen Pferden, die mir durch die Reitanlage in Bad Sobernheim zur Verfügung standen.

Bent Branderup und das Wohlfühlen

Über meine reittherapeutische Arbeit lernte ich Sandra kennen, die nach Bent Branderup ritt. Sie machte mich erst mit Sandra Mauer bekannt und dann mit Bent selbst.
Bashirah und ich fühlten uns sofort wohl. Auch wenn ihre schwache Hinterhand dazu führte, dass wir die Knappenprüfung nicht bestanden haben. Trotzdem blieben wir dran und nutzen die Übungen bis heute, um Bashirah fit zu halten.

 

Im Laufe unserer 29 gemeinsamen Jahre ist Bashirah übrigens insgesamt fünfmal umgezogen:

2001 nach Weinsheim,

2003 nach Bad Sobernheim, das Bild ist 2012 beim Übernachtungswochenende des RuFV Sobernheim entstanden.

Martina auf Bashirah dahinter Säm

Martina auf Bashirah dahinter Säm in Bad Sobernheim

 

2013 nach Odernheim am Glan,

Martina und Bashirah Kopf an Kopf

2019 nach Stephanshausen und acht Wochen später nach Presberg zum Hüttentaler Hof, auf dem wir uns seitdem sehr wohl fühlen.

Was ich von Bashirah gelernt habe

Im Hier und Jetzt präsent sein. In mich hineinspüren und aus dem Bauch entscheiden. Durchsetzungsfähigkeit, ohne starr zu sein. Meinen Standpunkt klar zu vertreten und dabei die Bedürfnisse des Gegenübers nicht aus den Augen verlieren. Bedingungslose Liebe. Energien wahrnehmen, Tierkommunikation.

In einer Meditation während einer Heldenreise mit Pferden 2015 trug mir Bashirah auf:

„Folge Deiner Freude!“

Das hat definitiv mein Leben verändert. Seitdem prüfe ich immer wieder, wenn ich mich verleiten lasse, etwas zu tun, weil man das so macht – und ich merke, dass es mir gegen den Strich geht: Macht es mir Freude? Wenn nicht, lasse ich es!

Das führte vermutlich dazu, dass ich nicht so schnell finanziell erfolgreich geworden bin wie andere Menschen. Aber dafür bin ich glücklich und gesund. Das ist für mich wahrer Erfolg.

Wenn ich die Jahre mit Bashirah – und auch die Jahre davor mit anderen Pferden – reflektiere, erkenne ich: Nicht ich habe die Pferde ausgebildet, so wie das im allgemeinen Bewusstsein gesagt wird. Wir durften miteinander lernen und tun es noch immer.

Als Mittler zwischen den Welten lehren sie mich, in meinem Körper im Hier und Jetzt präsent zu sein. Wenn nicht – rempeln sie mich an oder stehen auf meinem Fuß, wenn ich nicht aufpasse. Sie haben mich gelehrt, Energien zu spüren und zu Heilzwecken einzusetzen.

Bashirah liebt es, wenn ich einfach bei ihr stehe, meine Hände über ihren Körper gleiten lasse, erkenne, wo energetische Dysbalancen sind – und mit Hilfe der Spirits diese ausgleiche. Das geht übrigens auch aus der Ferne. Sie zeigt mir – wo sie gerade Berührung wünscht.

Ich liebe diese nonverbale Kommunikation, die für mich schon so selbstverständlich geworden ist.

Was hast Du von Deinem Tier gelernt? Teilst Du es mit mir?

Dieser Blogartikel ist durch die Inspiration von Katja Hammerschmidt entstanden. Hier findest Du Ihren Aufruf zur Blogparade.

 

Martina Tömö

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